HR Relations | Kompetenzen für Karriere im Human Resources
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Best practice: Internationales Jobcasting Teil 1

Sie stehen vor der Herausforderung ab sofort international zu rekrutieren? Gründe dafür gibt es zahlreiche: zum Beispiel, weil die Mitarbeiterinnen, die Sie benötigen in Österreich schwer zu finden sind, der österreichische Arbeitsmarkt leergefischt oder die Arbeitseinsätze ebenfalls international sind. Marlies hat den HR Manager von Geoconsult, Dietmar Binder, in seinem Büro in Salzburg getroffen, um sich von ihm Tipps zum Aufbau eines internationalen Recruitings zu holen. Ein weiteres Best practice Recruiting Beispiel, aufgrund der Länge diesmal in 2 Teilen.

 

Marlies: Herr Binder, Sie haben im Juli ein Jobcasting in Berlin durchgeführt. Dieses Jahr gab es bereits ein weiteres Jobcasting in Madrid. Wie entstand die Idee dazu?
D. Binder: Die Mitentwicklung von Prof. Johann Golser an einer neuen Tunnelbaumethode im Rahmen seiner Lehr- und Forschungstätigkeit an der Montanuniversität war der Stein des Anstoßes für die Gründung unseres Unternehmens Geoconsult ZT GmbH. Die Methode nennt sich abgekürzt NATM, aus dem Englischen übersetzt, heißt das „Neue österreichische Tunnelbaumethode“. Diese Methode wird heute noch an der Montanuniversität unterrichtet. Nachdem wir also im Tunnelbau tätig sind und zahlreiche weltweite Niederlassungen haben, ergibt sich die internationale Ausrichtung aus unserem Kerngeschäft heraus. Auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen für unsere internationalen Tunnelbauprojekte suchen wir unter anderem Geologinnen, Geotechnikerinnen, Bauingenieurinnen, Elektroingenieurinnen aber zum Beispiel auch Eisenbahningenieurinnen. Voraussetzung für eine Beschäftigung ist die Bereitschaft, mittelfristig oder für längere Zeit, befristet oder unbefristet, ins Ausland zu gehen.
Gerade bei der Zielgruppe der Elektroingenieurinnen ist der österreichische Arbeitsmarkt für uns mittlerweile zu klein geworden. Wir müssen europäisch denken und auch den europäischen Arbeitsmarkt für unsere Mitarbeitersuche nutzen.
Marlies: Wie tickt denn die Zielgruppe der Geologinnen oder Elektroingenieurinnen? Was haben sie für Erwartungen an ihren zukünftigen Arbeitgeber?
D. Binder: Das ist ganz unterschiedlich. Wenn ich an das Recruiting von Geologinnen denke, dann ist die Hauptmotivation das Arbeiten in der Natur, in den Bergen zum Beispiel. Das darf gerne auch abgeschiedener von der Zivilisation sein. Geologinnen sprechen wir direkt in Österreich oder aber auch in Deutschland an. Da laufen uns die Bewerberinnen zu. Wir sind jedoch auch stark abhängig von der jeweiligen Spezialisierung. Unsere Ingenieursgeologinnen finden wir zum Beispiel in München.
Bauingenieurinnen beispielsweise sind sehr projektmotiviert. Sie wollen etwas schaffen, worauf sie stolz sein können. Kontakte und das Netzwerk sind hier sehr wichtig. Diese findet man auf Baustellen direkt bzw. auch in den Social Media Kanälen wie Xing oder LinkedIn. Hier heißt es für uns, Interesse für unsere neuen Projekte zu wecken.
Bei den Elektroingenieurinnen ist das Ganze schon schwieriger. Die Nachfrage am Arbeitsmarkt ist groß. Das Angebot an Elektroingenieurinnen, die sich beruflich verändern möchten, begrenzt. Hier entscheiden oftmals nur die finanziellen Rahmenbedingungen, um jemand von einem Wechsel zu überzeugen. Ich nehme auch die Nähe zum Wohnort als wichtiges Entscheidungskriterium war.
Wenn ich an unsere internationalen Tunnelprojekte denke, ist es schwierig, europäische Elektroingenieurinnen für Projekte in Pakistan zu gewinnen. Hier setzen wir auf Bewerbungen direkt aus Pakistan oder auch Indien. Anders ist es für Singapur oder auch Südamerika wie beispielsweise für Chile oder Mexiko. Bei diesen Projekten ist es für uns einfacher.
Der Aufwand für die Stellenbesetzung bei der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen, die die Bereitschaft mitbringen, ins Ausland zu gehen, hängt demnach stark von der Zielgruppe und der Projektregion ab.
Marlies: Sie haben ja im Frühjahr ein Jobcasting in Madrid veranstaltet. Wie war die Bewerberreaktion darauf?
D. Binder: Die Idee für das Jobcasting entstand daraus, dass wir nicht nur eine sondern mehrere Mitarbeiterinnen gesucht haben – eine Stelle also mehrfach besetzen wollten. Wir haben uns bei dem Veranstaltungsort für Spanien entschieden, weil wir spanisch sprechende Mitarbeiterinnen konkret Eisenbahningenieurinnen für Mexiko, Chile und Argentinien gesucht haben. Wir entschieden uns für Madrid als Veranstaltungsort. Das Casting dauerte zwei Tage. Wir wandten uns an Uniabsolventinnen aber auch Senior Projektingenieurinnen. Das Recruitingprojekt verantwortete HR gemeinsam mit Geoconsult Ingenieurinnen aus der gesuchten Zielgruppe. Die Rolle von HR war hauptsächlich organisatorischer Natur. So wurden von uns die Unterlagen vorab gesichtet, die Bewerberinnen zum Termin eingeladen und die Bewerberkorrespondenz verwaltet. Der Start des Castings war für 7 Uhr morgens angesetzt. Interviewt wurde bis 20:00 Uhr bzw 20.30 Uhr abends. Die Außenhandelsstelle in Madrid hat hier maßgeblich unser Recruiting unterstützt und uns organisatorisch einiges abgenommen. Die Bewerberinnen waren ja freiwillig beim Casting. Daher haben wir auch keine Aufwände für Anreise, Unterbringungen, Verpflegung etc rückvergütet. Wir haben uns vor Ort viele potenzielle Mitarbeiterinnen angehört und interviewt. Bei dem Casting haben wir auch tolle Erlebnisse gehabt: Bewerberinnen kamen mit ihren selbst geschriebenen Büchern und präsentierten uns ihre Arbeiten. Das hatte auch einen gewaltigen Mehrwert für unsere eigenen Mitarbeiterinnen. Bei den Gesprächen mit den Bewerberinnen bekamen wir viele interessante Informationen. Eine wichtige davon war, dass der Eisenbahnbau in Spanien rückläufig ist. Dies war für uns auch an den zahlreichen Bewerbungen spürbar. Die Veranstaltung war sehr erfolgreich. Wir haben einige gute Kontakte geknüpft. 75-80 Bewerbungen erhalten und viele Infos über den spanischen Markt bekommen. Wir haben „Vorreservierungen für das Projekt“ getätigt. Kontakte, auf die wir zugreifen können, wenn die Projekte konkret werden. Natürlich gab es auch Absprünge, weil Bewerberinnen dann doch nicht ins Ausland gehen wollten.

In 2 Wochen folgt der 2. Teil, wo es unter anderem darum geht, wie man ein internationales Recruitingprojekt zum Scheitern bringt ;-).

Herzliche Grüße
Marlies

Marlies Pree-Moharitsch
marlies.pree-moharitsch@hr-relations.com

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